Burgen

sind ein seitenfüllendes Thema, jedoch möchte ich das hier aus Platzgründen begrenzen und bestimmte Details nur anreißen, auch auf die Gefahr hin, daß das eine oder andere zu kurz kommt oder nicht erwähnt wird, es würde einfach den Rahmen sprengen.

Burgen sind heute umgeben vom Hauch der Romantik, man denkt sofort an stolze Ritter in glänzenden Rüstungen und lieblichen Burgfräuleins die aus dem Türmchen gucken. Diese romantische Verklärung der doch recht rauhen Zeit des Mittelalters begann aber erst im 19.Jahrhundert, man entsann sich seiner umherstehenden Burgen. Viele Ruinen wurden wieder aufgebaut und restauriert, einige wurden auch im wildromantischen Burgruinenstil neu gebaut. Selbst das Wort Rittersaal kommt erst aus dieser Zeit.

In unserer heutigen Zeit wird mit sehr viel Aufwand und erheblichen Kosten versucht die vorhandenen Burgen zu erhalten, ob in Privat- oder Landesbesitz. Um möglichst einen Teil der hohen Kosten wieder hereinzubekommen, werden viele Burgen verschiedentlich genutzt. So sind sie Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele mit Lokal oder Restaurant, Museen, Amtsgebäude, Tagungsstätten, Hotels, Schullandheime, Schulen oder Kindergärten.

Burgen waren auf Dauer befestigt, im allgemeinen ständig bewohnt und meistens der Einzelwohnsitz eines Grundherrn. Sie dienten dem Schutz ihrer Bewohner bei Gefahr und auch den Menschen des Umlandes.

Eine Burg beschreibt wenigstens ein bewohnbares und wehrhaftes Gebäude, welches von einer Ringmauer umgeben ist.

Der Ursprung der Burg kommt von den Römern. Beim griechisch-lateinischen burgus handelte es sich um einen viereckigen Wachturm aus Stein (oder auch einem kleinen Kastell), der von einem Graben und hölzernen Baumpfählen, einer Palisade, umgeben war. So ab 800 entstanden im Frankenreich die ersten festen Wohnsitze der Herrscher, die castellanie. Umgab man diese Herrschersitze mit Gräben, Erdwällen und Holzpalisaden, wurden sie zum castellum – zur Burg. Ein hauptsächlicher Grund waren die ständigen Überfälle der Wikinger, Ungarn, Sarazenen und anderer Völker. Dem Bau von Burgen waren Zeiten der Unsicherheit günstig.

In Deutschland begann man ab 1075 ernsthaft Burgen zu bauen. Während der Zeit der Staufer entstanden die meisten. Besonders Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) ließ 350 Burgen und Residenzen errichten.

Im heutigen deutschen Gebiet stehen noch rund 18.000 Burgen und Schlösser.

Burgen entstanden, wo Schutz von Grenzen, Handelsstraßen, Klöster, Städten und Flußquerungen auszuüben, Herrschaft zu intensivieren oder eine Engstelle zu sperren war. Von Burgen aus wurde oft der Friede gestört, Kaufleute und Reisende beraubt. Waren Burgen nach einem strategischen Konzept aufeinander, auf Furten, Brücken, Städte oder Klöster bezogen, erleichtern sie die Festigung der Herrschaft, die Sicherung des Friedens im Landesinneren, und auch die Vorbereitung eines Angriffs. Das Einflußgebiet einer Burg betrug rund 16 km, soweit wie ein Tagesritt hin und zurück. Die Besatzungsstärke variierte je nach der Größe und Zweck der Anlage. In Friedenszeiten schwankte die Anzahl der ständigen Burgmannschaft in einer durchschnittlichen Burg zwischen 3 und 20 Mann. In einer normalen bewohnten mittleren Burg lebten so zwischen 60 und 80 Menschen. Da war der Burgherr nebst Gemahlin und Kinder, dann die Knechte und Mägde sowie die Kriegsknechte oder Burgmannen, je nach Burg auch Handwerker, Schmied und Pfarrer. In großen Burgen konnten es aber auch Hunderte sein, die sich innerhalb der Mauern bewegten. So gab es aber auch Burgen die leerstanden und nur zu Krisenzeiten bezogen wurden. Je mehr Burgen verteilt lagen, desto sicherer war eine Gegend.

Als Stätten des Gerichts und des Strafvollzugs, der Verwaltung und der Erhebung von Abgaben, bildeten Burgen oft den Mittelpunkt einer Herrschaft. Manchmal dienten sie aber auch als Statussymbol zur Selbstdarstellung, je prächtiger der Bau, um so höher das Ansehen.

Die Bewohner der umliegenden Dörfer waren zu Bau und Unterhaltung, Bewachung und Versorgung der Burg und zum Kriegsdienst verpflichtet, dafür sollten sie in Notzeiten mit ihrer Familie, mit Vieh und Vorräten in die Vor- oder Unterburg fliehen können.

In der Ebene bewährte sich die Motte, oder auch Turmhügelburg. Sie stand zu Tausenden in Europa. Sie war sehr beliebt, konnte man sie doch kostengünstig und schnell errichten. Eine solche Burg war mit rund 100 Mann in 20 Tagen fertigzustellen.

Es handelte sich um eine palisadenumsäumte Anlage. Hinter dem Tor mit Zugbrücke lag nun zuerst ein Vorhof, auch Vorburg, mit Wirtschaftsgebäuden für Vieh und Vorrat sowie Unterkünften. Meist wurde im hinteren Teil ein zusätzlicher Raum mittels weiterer Palisaden abgeteilt, in dem sich ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel befand. Auf der abgeflachten Spitze der Motte stand ein Wachturm, der später auch die Wohnräume des Herrn enthielt, erst auch aus Holz und später dann überwiegend aus Stein gebaut. Aus dem anfänglichen Wachturm, wurde also ein Wohnturm. Manche Herren verzichteten allerdings auch darauf die Wohntürme auf Hügel zu errichten und umgaben ihn stattdessen nur mit einem breiten Graben. Ein Schwachpunkt dieser Burgen lag darin, daß sie aus Holz gebaut waren und Rammböcken, Steinschleudern und Feuer nicht genug standhielten. Daher wurden nach und nach erst die unteren Teile der Befestigungen durch Steine ersetzt und später ging man dazu über den ganzen Bau aus Stein herzustellen. Dabei mußte man auf tiefe Fundamente achten, sollten Türme und Mauern sicher sein und nicht durch Unterminieren zum Einsturz gebracht werden.

Außer der König, baute allerdings bis um das Jahr 1000 herum nur die Kirche im großen Umfang in Stein. Um etwa 1200 hatte die Militärarchitektur den Abstand zur Architektur kirchlicher Großbauten aufgeholt. Seit dem 11.Jahrhundert verlegten viele Adlige ihre Burg aus der Ebene auf einen Berg. Die „klassische“ Burg hatte ihre Blüte im 13. Jahrhundert. Ab 1500 wurden gar keine Burgen mehr gebaut.

Die Burgen selbst, die in ihren Anfängen oft von relativ einfacher  Bauweise waren, entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte zu den unwahrscheinlichsten Festungs- und Verteidigungsanlagen und wurden dem militärischen Fortschritt angepaßt. Einen vorläufigen Abschluß fand die Entwicklung im ausgehenden Mittelalter – im 15. Jahrhundert erfüllte sich das Schicksal der klassischen Burg: den immer schlagkräftigeren und modernen Pulverwaffen waren die Mauern nicht mehr gewachsen, (nachgewiesen ist der erste Einsatz eines Geschützes auf deutschem Boden für das Jahr 1334, als Bischof Nikolaus I. von Konstanz damit die Stadt Meersburg verteidigen ließ; 1346 fanden Kanonen ihren ersten Einsatz in der Schlacht bei Crécy).

Die Burg vermochte auch den gehobenen Wohnansprüchen nicht mehr zu befriedigen. Zwar wurden viele Burgen den gewandelten Verhältnissen angepaßt, nämlich wehrtechnisch verstärkt, schloßartig erweitert oder einfach aufgegeben und ein neuer repräsentativer Wohnbau am Fuße der alten Burg oder in der Stadt errichtet.

Im Schutze einer Burg entstanden sehr viele Ansiedlungen, die sich zu ansehnlichen Städten entwickelten. Die Geschichte der Burgen ist untrennbar mit der Geschichte der Städte verbunden. Es vollzog sich allmählich der Wandel vom Burgbewohner zum Bürger einer Stadt.

Der Bauer oder Handwerker befreite sich nach und nach von Unterdrückung und vom Joch der Fronarbeit für seinen Grundherrn, ging in die aufstrebende Stadt und war dort, nach einem Jahr Unbescholtenheit, freier Bürger. Der arme Ritter saß jedoch vereinsamt auf seiner Burg und hatte somit kaum Einnahmen mehr, weil immer weniger auf seinen Landgütern Abgaben leisteten. Denn nicht nur die Abwanderung, sondern auch Hungersnöte und Seuchen dezimierten die Arbeitskräfte in den Dörfern auf seinem Land. Sein Einfluß schwand, auch dadurch bedingt, daß er seine militärische Vormachtstellung durch die Feuerwaffen verloren hat – das Rittertum ging nieder. Um seine finanzielle Notlage zu bessern, wurde er so zum Raubritter und überfiel mit seinen Kriegshorden Reisende, Händler, Privatleute, Städte und auch andere Burgen. Da es in bestimmten Gebieten ausuferte, schritten die Landesherren ein und machten Jagd auf die raubenden Ritter. Diese verbarrikadierten sich in ihren Raubritternestern, wurden dort belagert, ausgeräuchert, erobert und gestellt. Die meisten Raubritter wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet, ihre Burgen geschleift. So manche heutige Ruine zeugt von einer solchen Strafexpedition.

Viele Burgen waren jedoch nur von geringem Einfluß, von manchen sind nur noch ein paar Steine übrig, sind als Erdhügel nur noch zu erahnen oder vollständig und spurlos verschwunden.

Je nach Land, Klima, Herrschaft und Entwicklungsstand der Belagerungstechnik wurden im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Typen entwickelt, so gab es Höhenburgen, Gipfelburgen, Talburgen, Abschnittsburgen, Zungenburgen, Wasserburgen, Höhlenburgen, Felsenburgen, Hangburgen, Stadtburgen, Inselburgen, Turmhügelburgen, darunter waren: Kreuzfahrerburgen, Grenzburgen, Ganerbenburgen, Klosterburgen, Ordensburgen, Herrenburgen, Landesburgen, Zollburgen, Zwingburgen, Raubritterburgen, frühzeitliche Flucht-, Flieh-  und Volksburgen (als Ringwallanlagen) sowie auch die Wagenburgen.

Keine Burg glich der anderen.

Frühe mittelalterliche Burgen waren in der Regel ungemütlich und unbequem, ja fast schon ungesund. Es gab keine Fenster in den Außenmauern, sondern neben Lüftungsschlitzen nur Schießscharten zum besseren Schutz. Die spärlich möblierten Räume waren feucht, dunkel und kalt sowie durch die rußenden Pechfackeln, blakenden Öllampen und rauchenden Feuerschalen, Feuerkörben und die Kamine völlig verqualmt. Alles war von bedrückender Enge, vollgestopft mit Vieh, Vorräten, Waffen und Gerät. Des weiteren herrschte oftmals ein fürchterlicher Lärm durch blökende Schafe, Schweine, Ziegen, bellende Hunde, gackernde Hühner, rumpelnde Karren und laute Arbeiter und Bedienste, eben das ganz normale Treiben. Über allem lag ein unerträglicher Gestank von Unrat und den Ausscheidungen der Tiere und auch der Burgleute (die einfachen Burgmannen erleichterten sich direkt auf dem Wehrgang oder an der Mauer, die edleren Herrschaften benutzten schon die Aborterker im Inneren, was aber auf dasselbe herauskam, da alles „immer an der Wand lang“ im unteren Wehrgang, Zwinger oder Graben landete und dort zum Himmel stank. Zu einer Burg gehörten oft mehrere Gebäude und Einrichtungen: Wohnräume für die Herren und seine Familie, für Getreue, Gesinde sowie Gäste, die Kemenate (caminata, beheizbarer Raum) für Familie und Frauen, ferner ein Repräsentationsbereich als Versammlungssaal im Palas (dem Haupthaus) und eine Kapelle zur Feier des Gottesdienstes, schließlich Schmiede, Ställe und Scheune, Werkstätten, Vorratskammern für Lebensmittel und Waffen, dann Küche und Brunnen(-haus) sowie der Burggarten. Erst durch das verstärkte Aufkommen von schönen Schlössern, ging man dazu über, Burgen aus einer Mischung von Lehm, Mist und Pferdehaaren zu verputzen und weiß zu kalken. In unseren Breiten waren sie zuvor eher unverputzt. Der Graben um eine Burganlage sollte etwaige Angreifer möglichst weit  von Tor, Wall oder Mauer entfernt halten, oft war er mit Wasser gefüllt. Wälle entstanden aus dem Aushub der Gräben und zwangen den Feind zum mühsamen Aufsteigen. Die einem Belagerer besonders ausgesetzte Seite war meist durch einen Turm oder einer Schildmauer verstärkt. Das weitere Umfeld einer Burg war gerodet und baumlos, damit Feinde keine Möglichkeit hatten sich zwischen den Bäumen festzusetzen oder Deckung zu finden. Eine, später auch mehrere Ringmauern umliefen die gesamte Burganlage. Hinter der Mauer mit den schützenden Zinnen verlief ein meist überdachter Wehrgang. Wollte man die Initiative nicht dem Angreifer überlassen, mußte eine von außen möglichst nicht einsehbare Ausfallpforte (Poterne) gegeben sein, aus der heraus man eventuell einen Gegenangriff starten konnte. Diese und die Wasserversorgung erwiesen sich oft als Schwachstellen von Burgen. Der sensibelste Bereich einer Burg war immer das Tor, daher wurde es besonders verstärkt und geschützt. Das Torhaus war mit Zugbrücke, Fallgatter und Gußerker (Pechnase) versehen. Nachdem man das Tor passiert hatte, stand man erst im Zwinger oder in der Vorburg. Meist kamen noch weitere Tore, ehe man in die eigentliche Kernburg mit dem Haupthaus gelangte.

In der weiteren Entwicklung und den mitgebrachten Erfahrungen aus den Kreuzzügen, flossen immer neuere Verbesserungen in den Burgenbau.

Der hoch aufragende Bergfried (Berchfrit), also der Turm der Burg, war überwiegend von runder Bauform, daneben war auch die viereckige weit verbreitet. Er stand überwiegend an strategisch wichtiger Stelle frei im Hof oder war in die Ringmauer eingefügt, hatte seinen Zugang meist in der Höhe und war nur über benachbarte und anschließende Gebäude oder über eine hölzerne Treppe oder Leiter zu erreichen, die im Notfall abzubrechen war.

Der Bergfried diente wohl im Eroberungsfall der Burg als letzte Rückzugsmöglichkeit der Besatzung und selbst wenn der Feind schon im Innenhof stand, war er leicht zu verteidigen. Er war sozusagen eine Burg in der Burg und der solideste Teil der Anlage. 4 Meter Mauerstärke im Sockelbereich waren keine Seltenheit. Als der wehrhafte Turm ist er der Inbegriff einer Burg. Gut zwei Drittel aller Burgen verfügten über einen Bergfried. Während im deutschen Reich der Bergfried eher nicht zum ständigen Aufenthalt bestimmt war, diente der Keep in England und der Donjon in Frankreich durchaus zu Wohnzwecken und war behaglich mit Kaminen ausgestattet.

In vielen Burgen war im Untergeschoß des Bergfrieds das Verlies untergebracht, ein leerer dunkler feuchter Raum, ohne Tageslicht, Fenster, Türen oder Toilette. Erreichen konnte man es nur durch eine Luke im Fußboden des darüberliegenden Stockwerkes, dem sogenannten Angstloch. Mittels einer Haspel, eines Seiles und einer Sitzstange wurden Gefangene herabgelassen oder ganz einfach metertief hinuntergestoßen. Dort fristeten sie ihr Dasein bis zur Lösegeldzahlung und der anschließenden Freilassung – oder schmachteten bis zu deren Tode. Daß ein Gefangener 5 Jahre bis zu seiner Freilassung in einem solchen Verlies überlebt hat, war schon etwas Besonderes.

BAU EINER BURG

Der Standort einer Burg war von vielen Faktoren abhängig:

vom Gelände, welches schon von Natur aus möglichst viel Schutz bieten sollte, die Wasserversorgung mit einer möglichst tiefen und sicheren, unversiegbaren Quelle.

Viele Burgen wurden niemals fertiggebaut, weil dem Bauherrn das Geld zwischenzeitlich ausging

Benötigt wurden eine Reihe von Handwerkern, allen voran der Baumeister und eine Fülle von Steinmetzen und Zimmermännern.

BELAGERUNG und EROBERUNG

Für das erfolgreiche Überdauern einer Belagerung durch ein feindliches Heer, waren gute Vorbereitungen die Voraussetzung. Wichtig war die Bevorratung von Nahrungsmitteln und Trinkwasser, das Bereitstellen von Waffen und weiteren Kampfmitteln wie Steine, Pech, Öl und Bauholz, usw.

Die Belagerung und das versuchte Aushungern einer Burg, konnte schonmal über ein Jahr andauern, was mitunter für die Verteidiger aber auch durchaus für die Belagerer zur Qual wurde. Auch gaben mitunter die Belagerer auf und zogen ab. Allerdings wurden auch schon Burgen durch Überraschung und Überrumpelung im Handstreich genommen, sind fast kampflos in die Hände des Feindes gefallen.

Es kam vor, daß nach einer langen Belagerung die Burgbesatzung nach einer Niederlage, also nach Eroberung der Burg oder aber auch nach Aufgabe und Übergabe, nicht verschont wurde und die gesamte Burgmannschaft von den Siegern niedergemetzelt wurde.

Manche Burgen wurden niemals erobert, ja nicht einmal angegriffen, weil allein aufgrund der Lage und oder der starken Befestigung ein Angriff als aussichtslos erschien.